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Ausbreitung der Revolution und Ausrufung der Republik am 9. November 1918 in Berlin

Erich Ludendorff als wahrer Chef der Obersten Heeresleitung gab bei einer Krisensitzung von Heeresleitung und dem Kaiser den Krieg verloren. Er empfahl den Waffenstillstand und eine Beteiligung der Oppositionsparteien an der Regierung. Er wollte die Verantwortung für die militärische Niederlage übernehmen. Um einer Revolution von unten zuvor zu kommen, wurde die Flucht nach vorn angetreten, die „Revolution von oben". Bei der hektischen Suche nach einem auch dem Ausland vorzeigbaren Reichskanzler wurde Max von Baden gefunden. Dieser bildete wenige Tage später eine Regierung, der auch zwei Sozialdemokraten angehörten. Aber der Krieg ging weiter.


Den Ausschlag gab ein heimliches Unternehmen der Marineleitung. Ohne Wissen der neuen Regierung wollte sie die kaiserliche Flotte in einer letzten Schlacht gegen die überlegene britische Marine führen. Dagegen setzten sich die Matrosen zur Wehr, hatten sie doch vor, den Frieden zu erleben. Als der Befehl zum Auslaufen der Schiffe kam, wurde er mit dem Herausreißen der Feuer unter den Kesseln beantwortet. Die Matrosen konnten sich hierbei auf die neue Regierung berufen, die Offiziere beantworteten das mit Arrest und Androhung von Kriegsgericht. Nur die Ausbreitung des Aufstandes unter den Matrosen und die Verbrüderung mit den Hafenarbeitern, zuerst in Wilhelmshaven und dann in Kiel verhinderte, dass er mit der Erschießung der „Rädelsführer" endete. So war eine Rebellion ein Jahr zuvor schon einmal beendet worden. Die beiden Toten Albin Köbis und Max Reichpietsch waren Mahnung für die Matrosen, sich hoch konspirativ mit eigenen Nachrichtenkanälen zu organisieren. Dem entsprach die Organisierung von Arbeitern als „revolutionäre Obleute", die in etlichen Städten im Januar 1918 Streiks gegen Hunger und die Fortsetzung des Krieges organisierten. Auch sie waren konspirativ tätig. Nur so ist es zu erklären, dass reichsweit von einem Tag auf den nächsten „Vertrauensleute" (der Begriff stammt aus dieser Zeit) als „Räte" gewählt wurden mit Zielen, die weitgehend übereinstimmten.

Um den „Unabhängigen" und „Spartakisten" zu begegnen, wurde im November die Bildung von Soldatenräten sogar seitens der Obersten Heeresleitung (OHL) nicht nur geduldet, sondern zumindest geduldet. Von nun an konnten Nachrichtenkanäle offen genutzt werden. Einen Einblick in die Stimmungslage bei den Truppen gibt Jakob Kern, der in der Weimarer Republik SPD-Vorsitzender in Darmstadt werden sollte → Bericht von Jakob Kern.


Die Flucht nach vorn, diesmal der Matrosen war das Fanal. Binnen Tagen wählten Arbeiter in vielen Städten Räte und stellten Forderungen. In Berlin rief der vormalige Sozialdemokrat Karl Liebknecht am Morgen des 9. November im Lustgarten, nachmittags nochmal am kaiserlichen Schloss die „freie sozialistische Republik" aus, der Mehrheits-Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstages die „deutsche Republik". Abends riefen 100 Revolutionäre Obleute im Reichstag zu allgemeinen Wahlen von Arbeiter- und Soldatenräten auf. Diese sollten dann eine Revolutionsregierung wählen. Dem kamen jedoch die beiden sozialdemokratischen Parteien mit Bildung eines „Rates der Volksbeauftragten" zuvor.

Quelle u.a.: Katharina Grote et al., Europäische Revolutionen: Revolution 1918/19

Rede von Scheidemann
Rede von Liebknecht

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