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Stichwort: Demontage der Räte

Der Revolutionsmonat war noch nicht herum, als die Arbeiter- und Soldatenräte in die Ecke gestellt waren.

Zeitleiste

Quelle: www.lagis-Hessen.de/de/subjects/browse/section/2/year/1918/page/1/sn/edb
 

Proklamation der hessischen Republik, 10. November 1918

Während der Sitzung des hessischen Soldaten-, Bauern- und Arbeiterrates in Darmstadt proklamiert der Vorsitzende der SPD-Landtagspräsident Carl Ulrich (1853-1933) die Hessische Republik.
 

Regierungsbildung durch Sozialdemokraten in Darmstadt, 11. November 1918

Der Hessische Arbeiter- und Soldatenrat gibt in Darmstadt bekannt, dass er den Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Carl Ulrich (1853—1933) mit der Regierungsbildung beauftragt hat. Der Vorläufigen Regierung des Volksstaats Hessen, die vom 11. November 1918 bis 21./22. Februar 1919 im Amt ist, gehören an:
• Ministerpräsident: Carl Ulrich (SPD)
• Finanzen: Dr. Konrad Henrich (DDP)
• Inneres: Dr. Heinrich Fulda (SPD)
• Justiz: Otto Rudolf von Brentano di Tremezzo (Zentrum)
• Arbeit und Wirtschaft: Johann Georg Raab (SPD)
• Bildungswesen: Kaspar Otto Urstadt (1868—1945; DDP)

Die Darmstädter Zeitung meldet am 15. November die Berufung der genannten Minister und die Versetzung der bisherigen Großherzoglichen Regierung unter Ministerpräsident Carl von Ewald in den Ruhestand.

Auflösung des alten hessischen Landtags (von 1911), 16. November 1918

Die neu gebildete Staatsregierung der Republik Hessen löst im Einvernehmen mit dem Arbeiter- und Soldatenrat den am 17. November 1911 gewählten und wegen des Weltkriegs mehrfach um ein Jahr verlängerten hessischen Landtag auf, der am 8. November 1918 zum letzten Mal getagt hat.

Arbeiter- und Soldatenräte lehnen Diktatur ab, 23. November 1918

Der am 9. November 1918 in Darmstadt konstituierte Darmstädter bzw. Hessische Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat, der Großherzog Ernst Ludwig (1868 — 1937) für abgesetzt erklärte und den Vorsitzenden der SPD-Fraktion Carl Ulrich (1853 — 1933) mit der Bildung einer Regierung beauftragte, verlangt im Einvernehmen mit der hessischen Regierung von der Reichsregierung die umgehende Einberufung der Nationalversammlung, die die allein wirkliche Vertretung des deutschen Volkes darstellt.1 und ruft die süddeutschen und norddeutschen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte dazu auf, ebenfalls in diesem Sinne auf die Staatsführung einzuwirken. Knapp einen Monat später spricht sich auch die vom 16. bis 21. Dezember in Berlin tagende Reichskonferenz der Arbeiter- und Soldatenräte („Reichsrätekonferenz") mit 344 zu 98 Stimmen gegen die Schaffung eines Rätesystems als Grundlage einer neuen Verfassung und mit 400 gegen 50 Stimmen für die die Wahl der Nationalversammlung am 19. Januar 1919 aus, aus der ein Bündnis zwischen SPD, Zentrum und der Deutscher Demokratischer Partei (DDP) als Sieger hervorgeht.

Der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat in Darmstadt wird in Volksrat umbenannt, 9. Dezember 1918

Die Delegierten des 18. Korps-Bezirks beschließen auf einer Sitzung in Darmstadt, den hessischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat mit Rücksicht auf die nach dem Waffenstillstand von Compiègne (11. November 1918) angeordneten Maßnahmen zur Entmilitarisierung in Volksrat für die Republik Hessen umzubenennen. Ein im Anschluss gebildeter 18 Mitglieder zählender Vollzugsausschuss übernimmt dringliche Aufgaben zur Sicherung der öffentlichen Ordnung, der wirtschaftlichen Versorgung der Bevölkerung und der geordneten Demobilisierung des deutschen Heeres.

Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung, 19. Januar 1919

Im Volksstaat Hessen entfallen bei den Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung 44,3 % der abgegebenen gültigen Stimmen auf die SPD, 19 % auf die DDP, 17 % auf die Zentrumspartei, 11,2 % auf die Deutsche Volkspartei, 6,6 % auf die Hessische Volkspartei und 1,9 % auf die USPD.

Wahl zur Verfassunggebenden Volkskammer der Republik Hessen, 21. Januar 1919

In der Republik Hessen, dem bisherigen Großherzogtum Hessen findet die Wahl zur Verfassunggebenden Volkskammer statt. Nach dem Verhältniswahlrecht bestimmen alle mindestens 20-jährigen Männer und erstmals auch alle Frauen 70 Mitglieder der Kammer. Die Mehrheits-SPD wird stärkste Partei im Volksstaat mit 44,5%.

Die gewählten Mitglieder der Volkskammer legen nach langwierigen Verhandlungen erst am 19. Dezember 1919 einen Verfassungsentwurf vor.

Bildung von Freikorps in Hessen, Ende Januar 1919

Auch in Hessen beginnt die Anwerbung von Freiwilligen zur Bildung der innerdeutschen Freikorps. Es ist geplant, bei der 25. Division das „Freikorps Hessen" entstehen zu lassen. Nach den verhältnismäßig scharfen Bedingungen werden Männer angeworben, die sich für drei Monate Dienst verpflichten und einer vierwöchigen Probedienstzeit unterliegen. Wie in anderen Regionen melden sich nur verhältnismäßig wenige altgediente Soldaten, vor allem Berufsunteroffiziere, von denen die Mehrzahl als Kriegsteilnehmer nach Hause zu ihren Familien will. Führer des neugebildeten Freikorps Hessen wird der bisherige Divisionskommandeur, Generalleutnant von Dresler und Scharfenstein.
 

Auflösung des Volksrats in Darmstadt zugunsten der Volkskammer, 11. Februar 1919

Der Hessische Volksrat in Darmstadt löst sich auf. Er überträgt die gesetzgebende Gewalt auf die neugewählte und für den 13. Februar einberufene Volkskammer.
 

Eröffnung der hessischen Volkskammer in Darmstadt, 13. Februar 1919

Ministerpräsident Carl Ulrich (1853—1933; SPD) eröffnet in seiner Eigenschaft als Alterspräsident die erste Sitzung der am 26. Januar gewählten Volkskammer der Republik Hessen im Darmstädter Ständehaus. Er gibt einen kurzen Rückblick auf seine eigene parlamentarische Tätigkeit und erklärt seinen Werdegang vom Schlossergesellen zum Ministerpräsidenten als ein Symbol für den Aufstieg der Arbeiterklasse, der er sein ganzes Leben gewidmet habe. Der Feind habe zwar den Sieg errungen, aber im Innern müsse uns die Niederlage besseren Zielen entgegenführen. Das Wahrzeichen der Zeit sei gemeinsame Arbeit und der Sieg der Menschlichkeit.

Zum Präsidenten der Volkskammer wird Bernhard Adelung (1876—1943; SPD) aus Mainz mit großer Mehrheit gewählt. In seiner kurzen Ansprache führt Adelung aus, dass die Volkskammer souverän sei und das Regiment des Staates ausübe. Des Volkes Wille sei das oberste Gesetz. Nach Schluss der Konstituierung der Volkskammer verliest der Präsident ein Schreiben des Großherzogs Ernst Ludwig an den Ministerpräsidenten Ulrich und die Volkskammer. Die Abgeordneten nehmen den Brief mit Beifall auf.

Erstmals in der Geschichte Hessens sind auch fünf weibliche Abgeordnete anwesend: Karoline Balser (1873—1928; DDP), Else Bierau (1877—1966; DVP), Elisabeth Hattemer (1870—1948; Zentrum), Anna Maria Rauck (1871—1953; MSPD) und Margarethe Steinhäuser (1874—1955; MSPD).
 

Verabschiedung einer Vorläufigen Verfassung für den Freistaat Hessen, 20. Februar 1919

Die am 26. Januar 1919 gewählte erste verfassungsgebende Volkskammer des Volksstaates Hessen (= der hessische Landtag) in Darmstadt verabschiedet in ihrer ersten Sitzung eine Vorläufige Verfassung des Freistaats Hessen (Notverfassung).1 Nach der Annahme der Verfassung tritt die bisherige Regierung zurück. Die Notverfassung dient nur als Behelf, da man in Hessen die Reichsverfassung abwarten will. Sie besitzt daher eine nur begrenzte Geltungsdauer, die mit der Verkündung einer endgültigen hessischen Verfassung enden soll. Diese hat spätestens am 1. Januar 1920 in Kraft zu treten.
 

Aktivitäten der Freikorps-Truppen in Hessen, Februar-März 1919

Die neu gebildeten Truppen des Freikorps Hessen werden zunächst teilweise in der Kontrolle der Grenze zwischen den alliierten Brückenköpfen um Koblenz und Mainz eingesetzt. In der Provinz Starkenburg fällt der Grenzschutz mit dem Sicherheitsdienst in der neutralen Zone Darmstadt zusammen. In Darmstadt und Babenhausen sind die aus den Regimentern 115, 118 und 168 hervorgegangenen Infanterie-Bataillone und die aus den beiden hessischen Dragoner-Regimentern entstandenen Schwadronen stationiert. Sie bleiben bis Frühjahr 1920 in dieser Region.
Die Freikorps-Verbände werden gegen die Bewegungen in den Städte Hanau, Mannheim und Offenbach sowie zur Unterstützung der Darmstädter Polizei „bei der Bekämpfung von Straßenunruhen und Plünderungen" eingesetzt. In mehreren Odenwaldorten, vor allem in Dieburg, sichern sie wertvolles militärisches Gerät, das vor den französischen Besatzungstruppen in Sicherheit gebracht worden ist. Ende April wird das Freikorps in die Reichswehr übernommen.

Anmerkungen
Dies ist kritisch zu betrachten.
Zu den Bewegungen in Hanau und Offenbach siehe auch Judit Pakh, Die Revolution in Hessen — einige Grundzüge
Was „Sicherheit" für Waffen (und Menschen) angeht, wird die hier geschilderte Darstellung heute überwiegend als militaristisch angesehen.

1. Mai zum ersten Mal gesetzlicher Feiertag, 1. Mai 1919

Der 1. Mai 1919 ist auf Beschluss der in Weimar tagenden Nationalversammlung zum ersten Mal — und zum einzigen Mal bis 1933 — als Tag der Arbeit ein gesetzlicher Feiertag. Er wird in Stadt und Land offensichtlich unterschiedlich gefeiert.
 

Reichspräsident Ebert unterzeichnet die Weimarer Verfassung, die erste demokratische Verfassung Deutschlands, 11. August 1919

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