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Die Heimkehr und Rolle der elsaß-lothringischen Matrosen

Die kaiserliche Marine zählte 16.000 Elsaß-Lothringer. Sie brauchte qualifizierte Handwerker, die sie im Elsaß vor allem in der Holz und Stahl verarbeitenden Industrie fand. Diese Arbeiter waren aber auch sehr erfahren im Arbeitskampf und waren klassenbewusst.

Sie spielten daher eine wichtige Rolle in der revolutionären Bewegung auf den Kriegsschiffen. Nach ihrer Heimkehr geben sie einen entscheidenden Impuls und nehmen aktiv an der Bildung der Soldatenräte in ihrer Region teil, besonders in Metz, Saarburg/Sarrebourg, Forbach, Saargemünd/Sarreguemines, Hagenau, Straßburg, Kolmar und Mülhausen.

ie deutschen Militärbehörden fürchteten Verbrüderungen mit dem „Feind" und betteten daher die Männer aus Elsaß-Lothringen vorzugsweise in die Marine ein. Die Matrosen unterhielten jedoch enge Verbindungen mit den Arbeitern in den Häfen und den Werften. Bücher, Flugschriften und Zeitungen zirkulierten an Bord. Dort ähnelten die Arbeitsbedingungen denen in den Unternehmen.
Auf den Schiffen gab es erste Versuche Räte zu bilden, die von der russischen Revolution beeinflusst waren. Die ersten aufständischen Matrosen erreichen Lothringen und den Norden des Elsaß ab dem 8. November. Am 9. sind sie in Hagenau und im Zentrum Straßburgs. Eine andere Einheit ist auf dem Weg über Kehl nach Straßburg, als sich die Brückenwache des Heeres widersetzt und auf die Truppe schießen lässt. Der Matrose Emile Fir wird dabei getötet. Die Bewegung breitet sich nach Kolmar und Mülhausen aus. Die Matrosen werden entscheidend bei der Bildung der Räte. Hierbei treten besonders Thomas Wendelin hervor, ein militanter Internationalist aus dem Unter-Elsaß sowie Louis Löffler und Alexandre Eisenring in Mülhausen. Ebenso gehört der 18-jährige Georges Wodli zu den aufständischen Matrosen, die ins Elsaß zurückkehren. Er wird noch eine wichtige Rolle beim Arbeiter-Widerstand gegen die nationalsozialistischen Besatzer während des zweiten Weltkriegs spielen.

Louis Loeffler war Eisenbahner und wurde 1914 als „Schipper" in die deutsche Marine eingezogen. Er wird 1936 kommunistischer Bürgermeister von Bischweiler (Unter-Elsaß), 1940 wird er festgenommen, 1945 sowie 1952 wieder als Bürgermeister gewählt.

Alfred Döblin, November 1918, eine deutsche Revolution, Bürger und Soldaten:

Die Wilhelmshavener Matrosen

Mit lohendem Schornstein, über schmetternden Schienen raste, an keiner Station haltend, von Wilhelmshaven her über Osnabrück, Münster, Düsseldorf, Köln ein Sonderzug. Er trug zweihundertzwanzig Matrosen der Hochseeflotte, zugehörig der Avantgarde der Revolution, Elsässer, jetzt alle schlafend. auf Bänken, auf den Gängen. Sie wollten das Elsaß vor den Franzosen retten.
Sie waren an zwanzigtausend Elsaß-Lothringer in Kiel und Wilhelmshaven gewesen. Warum so viele? Jedes Jahr fragte es ein Abgeordneter im Elsässischen Landtag. Er bekam die sonderbare, höhnische Antwort vom Regierungstisch: sie vertragen das tropische Klima so gut, so besonders gut...

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