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Die Wahrung vorheriger sozialer Rechte

Stichwort: Sozialstandards und Grenzlage

Napoléon hinterließ dem Kontinent neben Toten und Verwüstung auch einige fortschrittliche Errungenschaften. Das zivilrechtliche System des „Code Napoléon" gehört dazu. Und weil sich die deutschen Bewohner der linksrheinischen Gebiete 1871 einen Rückschritt verbaten, galt das Rechtssystem auch im Deutschen Kaiserreich bei ihnen weiter.

Anders herum sollte es nach der Rückgliederung des Elsaß und dem östlichen Lothringen in die französische Republik gehen. Nach der zwangsweisen Eingliederung ins Deutsche Reich waren auch die Bismarckschen Sozialgesetze übernommen worden. Und weil es die Menschen in Elsaß-Lothringen so wollten und erstritten, wurde ein Teil der sozialen Errungenschaften bewahrt:

  • So übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in Elsaß-Lothringen höhere Anteile als im übrigen Frankreich.
  • Sozialhilfe gibt es schon ab 16 statt ab 25 Jahren und die Lohnfortzahlung bei unverschuldeter Abwesenheit des Arbeitnehmers ist großzügiger geregelt.
  • Auch bei Kündigungen haben Arbeitnehmer bis heute bessere Bedingungen.
  • Sogar die zwei Feiertage Karfreitag (Vendredi Saint) und 2. Weihnachtstag (Saint Etienne) gibt bei ihnen bis heute im Gegensatz zum restlichen Frankreich.
  • Während in Paris und anderen französischen Städten am Sonntag die Supermärkte geöffnet haben, verbietet das Lokalrecht dies in Elsaß-Lothringen mit Ausnahme der Adventszeit.
  • Schulden überschuldeter Menschen können getilgt werden.
  • Vereinigungen werden nach dem deutschen Gesetz von 1908 bei Gericht eingeschrieben und können gewinnbringende Ziele haben, im Gegensatz zum französischen Gesetz von 1905.

Es wurden also nicht nur deutsche Signale und der Rechtsbetrieb bei der Eisenbahn bewahrt!
Errungenschaften und Standards zu verteidigen, darin waren die arbeitenden Menschen im Elsaß und dem östlichen Lothringen, den Ländern an der Sprachgrenze, schon immer gut.

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