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Stichwort: Fliegergefahr

Ab September 1917 wurde nächtliche Verdunkelung angeordnet. Im Oktober erlebte Darmstadt dann den ersten ernsten Fliegeralarm, im Sommer 1918 wurden dann die vorher geübten Luftangriffe Realität. Im August 1918 wurden durch einen Bombenabwurf französischer Flugzeuge zwei Häuser in der Soderstraße zerstört, man zählte vier Tote und zahlreiche Verletzte.

„Wir werden Fliegeralarm schießen..."

Der 10. November war ein milder Herbstsonntag, an dem Zehntausende von Menschen aus dem Land in die Städte strömten, um den Sieg der Revolution, den Sturz der Hohenzollern-Monarchie gemeinsam zu feiern. Auch nach Darmstadt setzte die Völkerwanderung ein, wo die Landtagsfraktion der SPD gerade über die ihr vom Arbeiter- und Soldatenrat übertragene Aufgabe der Regierungsbildung verhandelte.

Carl Ulrich (Reichstags- und Landtagsabgeordneter der MSPD) sah in dem Massenaufgebot eine Gefahr für die „öffentliche Sicherheit" aufziehen und war bereit zu handeln: „In dieser Situation trat ich an den Kommandeur der Soldaten heran und besprach mit ihm, was im Interesse der Volksmassen, die die Straßen belebten, getan werden könnte. Er wußte sofort Rat: ,Wir werden Fliegeralarm schießen, das wird die Straßen schnell säubern', meinte er. Ich stimmte dem Vorschlag zu, und bald donnerten und krachten die Kanonen, daß uns in der Fraktionssitzung in der Kanzlei der Kammer die Ohren dröhnten. Die Wirkung trat unerwartet schnell ein: In kaum mehr als einer Viertelstunde waren die Straßen fast leer, und die Gefahr für die Volksmassen war glücklich beseitigt." Anzumerken bleibt, daß sowohl Fliegeralarm wie auch Fliegerangriff zu den Kriegserlebnissen der Darmstädter Bevölkerung gehörten.
Aus: Judit Pakh, Die Revolution in Hessen — einige Grundzüge Nachzutragen ist, dass am nächsten Tag, am Montag, den 11. November im Hessischen Volksfreund", dem Organ der Mehrheits-SPD aus Darmstadt auf Seite 3 wörtlich zu lesen war:

Unsinnige Gerüchte, die jeder Grundlage entbehren, durchschwirren die Stadt und das Land. So wird der gestern abend vorgekommene Fliegeralarm von sich als besonders wichtig geberdenden Elementen dazu benutzt, das Gerücht auszusprengen, die Kriegsgefangenen seien aus dem Lager entsprungen. Wie uns der Kamerad Gaenger vom Soldatenrat zu Griesheim mitteilt, ist aber auch nicht ein wahres Wort an der Geschichte. Ruhe, Ordnung und Disziplin ist voll gewahrt. An die Bevölkerung ergeht das Ersuchen, den Verbreitern solcher Gerüchte scharf auf die Finger zu sehen, da angenommen werden muß, daß solche Elemente unlautere Zwecke verfolgen.

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