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Verlauf und Grauen des Krieges

Im Juli 1914 zogen viele Soldaten - von einem nationalistischen Taumel erfasst - begeistert in den Krieg und hofften auf einen schnellen Sieg. Doch die Realität war eine andere. Der Vormarsch der deutschen Armee kam schnell ins Stocken. Es folgte ein endloser Stellungskrieg. Die Soldaten an der Front hatten zahllose Entbehrungen hinzunehmen, immer mehr wurden getötet oder verwundet. Auch im Krieg blieben für das Offizierskorps die einfachen Soldaten Menschen zweiter Klasse, die vor allem zu gehorchen hatten. Auch dies führte bei vielen Soldaten zum Unmut.


"Wir mußten noch über die festgesetzte Zeit exerzieren. Dann, als unser Feldwebel uns abmarschieren ließ, befahl er zu singen. Als nur einige an zu summen fingen, jagte er uns wieder zurück durch den tiefen Sand, hielt uns eine Standrede, daß er es erzwingen könne.(...) Dadurch ließen sich verschiedene einschüchtern und sangen das „Deutschland, Deutschland über alles. In der Welt". — Welch blutiger Hohn. Nicht wahr?"
Brief des Frontsoldaten und Kriegsgegners Robert Pöhland an seine Frau Anna.
(Aus: Die Pöhlands im Krieg, Briefe einer sozialdemokratischen Bremer Arbeiterfamilie, Köln 2006)

In den mehrmonatigen Stellungskriegen bei Verdun (Februar bis Dezember 1916) und an der Somme (Juni bis Dezember 1916) erlitten die Armeen beider Seiten riesige Verluste. Alleine die deutsche Armee verlor 900.000 Soldaten, die getötet oder verwundet wurden. Etwa 163.000 französische Soldaten und 143.000 deutsche Soldaten fanden alleine auf den Anhöhen von Verdun den Tod. Der gut ausgebildete und kampferfahrene Kern der deutschen Armee verblutete in diesen Kämpfen an der Westfront. Der Ersatz aus der Heimat wurde nur kurz ausgebildet, von unerfahrenen Führern kommandiert und war schlecht ausgerüstet. Diese Menschen waren nichts anderes als Kanonenfutter, und dies erkannten immer mehr der Betroffenen. Sie sehnten das Ende des Krieges herbei und wollten nach Hause.

„Meine inniggeliebte teure Frau!
Nun befinde ich mich aber wirklich in der Hölle. Weiß gar nicht, wo ich zuerst bei anfangen soll. Hatte mirs gewiß schon schlecht genug vorgestellt, aber so schlecht nicht im Traum. Gestern Abend 7 Uhr ging es in stockfinsterer Nacht und bei Regenwetter, bepackt mit dem sog. ,Sturmgepäck' und Stahlhelm auf dem Kopf, hinein ins Verderben. Wir hatten 2½ Stunde zu marschieren durch Schlamm und Dreck, über Stock und Stein. [...] Ich fror wie ein Hund. [...] Schließlich hieß es, es seien für uns ,Quartiere' frei. Aber es ist ein unter dem Friedhof vorgetriebener Stollen, der 1,70 m hoch und 1,15 m breit ist. Schlafen müssen wir im Sitzen. Wir sitzen Mann an Mann. Man mußte schon zusehen, daß man ins Zuchthaus käme, damit man wieder menschliche Zustände finden konnte. Dieses Grauen ist überhaupt nicht zu beschreiben. Dabei heulen ununterbrochen die Granaten über einem weg. [...] Jetzt wünschte ich mir wahrhaftig den Erlöser Tod herbei."

Einer der letzten Briefe des Frontsoldaten und Kriegsgegners Robert Pöhland an seine Frau Anna vom 18.Oktober 1916. Am 21. Oktober 1916 wurde er durch eine Granate getötet.
(Aus: Die Pöhlands im Krieg, Briefe einer sozialdemokratischen Bremer Arbeiterfamilie, Köln 2006)


Zum Thema auch die Erinnerungen von Max Hoelz:
Erste Kriegsmonate beim Generalkommando des 27. Reservearmeekorps

Der Antimilitarist Ernst Friedrich veröffentlichte erstmals 1924 das Buch Krieg dem Kriege! Hier Auszüge

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