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Vom Kieler Matrosenaufstand zur Novemberrevolution

Trotz der absehbaren militärischen Niederlage des Deutschen Reichs und trotz eingeleiteter Friedensverhandlungen sollten Ende Oktober 1918 die deutsche Marine zu einem letzten „ehrenhaften" Gefecht gegen die überlegene britische Kriegsflotte auslaufen. Dies beinhaltete ein geheimer „Flottenbefehl" vom 24. Oktober 1918, mit dem der Admiralsstab versuchte, die Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen der Reichsregierung zu torpedieren.


Die kriegsmüden Matrosen jedoch wollten nicht bei einer militärisch sinnlosen Aktion verheizt werden. Trotz der Geheimhaltung wurde der Befehl bekannt, und am 30. Oktober 1918. kam es zur Befehlsverweigerung auf einigen Kriegsschiffen. Etwa eintausend meuternde Matrosen wurden verhaftet.

Die Matrosen verbündeten sich mit Vertretern der Kieler Arbeiterbewegung und organisierten gemeinsame Aktionen. Bei einer Kundgebung für die Freilassung der inhaftierten Matrosen wurden sieben Demonstranten erschossen. Dies war das Fanal zum bewaffneten Aufstand. Auf den Schiffen wurden rote Fahnen gehisst und am 4.November befand sich Kiel in den Händen eines „Arbeiter- und Soldatenrates".

Die Kieler Matrosen trugen den Funken der Revolution in andere Städte. Am 9. November war nahezu das ganze Gebiet des Reiches von der revolutionären Bewegung erfasst. Der Kaiser dankte ab, und die regionalen Dynastien wurden abgeschafft.

Es wurde uns nun Montagabend bekannt, daß ein großer Vorstoß geplant war, der falls er zur Ausführung gekommen wäre, uns allen das Leben gekostet hätte. Aber es kam anders. Wir erfuhren, daß andere Schiffe bei Helgoland die Feuer herrausreißen wollten. Unsere Besatzung hat sich dem einmütig und solidarisch angeschlossen. Wir zum Beispiel und noch andere Schiffe mehr wären überhaupt nicht von der Stelle gefahren.
Um 8:15 sollte die Fahrt auf Nimmerwiedersehen angetreten werden, aber es kamen ungefähr eine Stunde vorher wieder Geheimsignale zurück. „Vorhaben kann unmöglich ausgeführt werden". Die Offiziere hatten nämlich inzwischen einsehen müssen, daß sie mit diesen Besatzungen ihren verbrecherischen Straich nicht ausführen konnten. Wir fuhren zurück nach Wilhelmshaven, und der Stab mußte unverrichteter Sache wieder von Bord gehen. Da konnte man süßsaure Mienen beobachten, aber wir haben uns nur alle die Hand geschüttelt mit den Worten „Sieg auf der ganzen Linie".

Brief eines Matrosen an seinen Vater, in; Weimarer Republik, Hg: Kunstamt Kreuzberg und Institut für Theaterwissenschaft Köln

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