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Revolution in Darmstadt

Auch im Rhein-Main-Gebiet hinterließen Krieg und Not tiefe Spuren, so dass der revolutionäre Funken hier schnell übersprang.
In Darmstadt regierte der in bürgerlichen Kreisen hoch respektierte Großherzog Ernst Ludwig (1868 - 1937), dessen Aufmerksamkeit insbesondere der Förderung der Wissenschaft und der Kunst galt. Durch die großherzoglichen Truppen, die bis 1871 in die preußische Armee eingegliedert wurden, war Darmstadt eine stark militarisierte Stadt. So gab es 1890 unter knapp 84.000 Einwohnern rund 5.000 dem Militärstand angehörige Personen.

In einem Gespräch am 8. November 1918 um 17 Uhr, an dem unter anderen der Darmstädter Oberbürgermeister Wilhelm Glässing, der Gewerkschaftssekretär des Baugewerbeverbandes, Heinrich Delp, Vertreter der Parteien und des Militärs sowie später auch Großherzog Ernst Ludwig teilnahmen, wurde die Lage in Darmstadt als ruhig beschrieben. Doch erreichten erste Nachrichten über Unruhen auf dem Griesheimer Truppenübungsplatz, wo vor allem preußische Staatsangehörige stationiert waren, die Versammlung.


Um 22:30 Uhr hörte Heinrich Delp von zu Hause aus Schüsse und begab sich zu den einzelnen Kasernen, um auf eine Beruhigung der Situation hinzuwirken. Vor dem Neuen Palais hatten sich mittlerweile an die 7.000 Soldaten versammelt, die die Gefangennahme des Großherzogs forderten. In einer Ansprache vom Auto aus forderte Delp die Soldaten auf, nach vier Jahren Krieg nicht für weiteres Blutvergießen zu sorgen. Anschließend vermittelte Delp eine Verständigung zwischen Griesheimer und Darmstädter Truppen.
Heinrich Delp hatte so zur Beruhigung der revolutionären Bestrebungen beigetragen, musste sich jedoch 1920 im hessischen Landtag gegen den Vorwurf wehren, die Revolution verhindert zu haben.
Am nächsten Tag wurde in nahezu allen größeren Betrieben in Darmstadt in Betriebsversammlungen über die Ereignisse der Nacht diskutiert, jedoch wurden alle Meinungsverschiedenheiten in kameradschaftlicher Art und Weise beigelegt. Es bildete sich ein Arbeiter- und Soldatenrat unter Vorsitz des Redakteurs des „hessischen Volksfreunds", Wilhelm Knoblauch. Der Arbeiter- und Soldatenrat setzte den Großherzog ab.
Auf einer großen Versammlung auf dem Darmstädter Marienplatz riefen der sozialdemokratische Land- und Reichstagsabgeordnete Carl Ulrich sowie der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Darmstadt, Ludwig Quessel, die Menge zu Disziplin und Ordnung auf und forderten, das Ziel, einen Volksstaat Hessen zu errichten, entschlossen zu verfolgen. Der Arbeiter- und Soldatenrat erklärte am Nachmittag des 9. November 1918 Hessen zur freien sozialistischen Republik, die Ulrich später am Tag offiziell deklarierte. Ulrich wurde vom Arbeiter- und Soldatenrat mit der Bildung einer neuen Regierung unter Führung der Sozialdemokraten beauftragt.
Am 11. November 1918 wurde der Öffentlichkeit eine Erklärung vorgelegt:
„Soldaten, Bürger!
Die Regierungsgewalt ist auf das Volk übergegangen. Es ist frei und mündig, um sein Schicksal selbst zu bestimmen."

In 7 Sätzen werden die zukünftigen Eckpunkte formuliert, einige sind hier zitiert:
• Großherzog Ernst-Ludwig wird abgesetzt und das Großherzogtum zur Republik erklärt.
• Alle Sonderrechte der Geburt und des Standes werden beseitigt.
• Vollständige Glaubens-und Gewissensfreiheit wird gewährleistet.
• Die Trennung von Staat und Kirche ist einzuführen.

Unblutig und ohne Tote verlief die Revolution in Darmstadt!

→ mehr zum Truppenübungslager Griesheim

Ab Dezember 1918 wurde das Truppenübungslager von der französischen Armee bis zu ihrem Abzug 1930 Teil des Brückenkopfes Mainz. Das Lager erhielt den Namen
„Camp Général Barbot".

Mehr zu den Ereignissen in Darmstadt:

und das Auseinanderjagen sich versammelnder Menschen am Sonntag, den 10. November mit einem Fliegeralarm

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