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War das überhaupt eine Revolution ?

In allen Darstellungen und Berichten kommt das Volk nur als schweigende, oft bedrohlich geschilderte Kulisse vor. Dabei waren es mindestens zwei Gelegenheiten, wo es unmittelbar aktiv war:
Die Verständigung der Soldaten im Griesheimer Truppenübungslager und die Wahl eines Soldatenrates. Das erforderte Mut gegen Strafe und Arrest, gegen die allgegenwärtige Militärgerichtsbarkeit, Mut auch zu dem Gedanken, dass es auch ohne die Herrscherhäuser von Gottes Gnaden ging. In dem Zug von mindestens 5.000 Soldaten am Freitagabend, den 8. November von Griesheim nach Darmstadt schlug der Gedanke in die Tat um. Das hatten die bisherigen politischen Akteure nicht geplant, das war - Revolution!

Die politisch aktiven Arbeiter trafen sich am nächsten Tage, am Samstag den 9. November im Gewerkschaftshaus. Vorher hatte die Mehrheits-SPD den Arbeitgebern Bescheid gesagt, denn Samstag war ein Arbeitstag. Diese Versammlung war bestimmt, alle folgenden Ereignisse zu legitimieren als Volkswille. Die eigentliche Legitimation aber begründete Carl Ulrich, als er in einer Sitzung des neuen Staatsrates (siehe: Revolution von oben) auf die im Hof des Landtagsgebäudes stehenden Soldaten mit Maschinengewehren wies:„Da unten steht das zur Zeit gültige Recht mit der dazu nötigen Macht."
Alles was geschehen ist, war also Folge der Tat der Soldaten aus Griesheim, die damit auch die Darmstädter Garnison mitriss. Wenn in der Folge einige Pferde im Marstall abhanden kamen, war das eine Zeitungsmeldung wert.

Die eigentliche zweite Tat zur Revolution war das Erscheinen des Volkes am nächsten Tag, am Sonntag, den 10. November. Sie kamen mit ihren Sonntagsgewändern in die Stadt, um ihre Freude kund zu tun, dass nun endlich Völkerfrieden sein sollte. Ihr Einverständnis sollte es auch zeigen mit dem, was auch an diesem Sonntag in den Zeitungen stand und was vor allem die gesprochene Zeitung berichtete: eine Neue Zeit.
Dass das Volk aber eigentlich eher störend war, auch nicht mehr wirklich gebraucht wurde, sollte es mit einem Fliegeralarm erfahren.
Tatsache aber blieb: Das Volk war in Darmstadt auf den Straßen, ohne mit Plakaten oder Zeitungen gerufen worden zu sein.

Es ist bemerkenswert, dass diese große Demonstration von allen Darmstädter Zeitungen unerwähnt geblieben ist. Dadurch ist sie auch wohl den Historikern aus dem Blick geraten. Allzu oft ist Geschichte nur, was geschrieben ist.
Lediglich ein → Gerücht zum Fliegeralarm wurde am Montag vom hessischen Volksfreund berichtet und gleich widerlegt.

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