Logo

Vorboten — Massenstreiks gegen den Krieg

In den ersten zwei Jahren des Ersten Weltkrieges gab es nur vereinzelte und lokale Streiks, die sich gegen Lohn- und Arbeitsbedingungen richteten. Angesichts des zwischen den Arbeitgebern und dem Zentralverband der Gewerkschaften vereinbarten „Burgfriedens" bekamen sie aber zunehmend politischen Charakter.

Der Verhaftung des SPD-Reichstagsabgeordneten Karl Liebknecht nach einer Antikriegsrede am 1. Mai 1916 wurde zum Wendepunkt. Liebknecht wurde verhaftet, des Hochverrats angeklagt und zu einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren und 1 Monat verurteilt. Im Juni 1916 kam es zum ersten von drei politischen Massenstreiks. Der „Liebknechtstreik" 1916 war auf Berlin beschränkt und brach spontan aus, allerdings hatten die Revolutionären Obleute um Richard Müller entscheidend zur Organisation beigetragen.

Weitere Massenstreiks gab es im April 1917 und im Januar 1918. Die Kriegsgegner_innen in der SPD gründeten im April 1917 die USPD, was Teile der Arbeiterschaft mobilisierte. Vertrauensleute der USPD und der Gewerkschaften nahmen an den Vorbereitungen der Streiks teil. Forderungen waren die Freilassung Karl Liebknechts und der in „Schutzhaft" befindlichen Personen, die Aufhebung des Belagerungszustandes, die Beendigung des Krieges ohne Entschädigung und Eroberungen sowie die Sicherstellung von Lebensmitteln. Nach der Oktoberrevolution in Russland bot die dortige Regierung einen Frieden ohne Reparationen und Annexionen an. Der Ruf nach Friedensverhandlungen wurde auch in der Arbeiterschaer lauter. Der Januarstreik 1918 wurde schon überregional organisiert und übertraf mit mehreren hunderttausend Streikenden an Größe und Ausmaß alle bisherigen Bewegungen. Allein in Berlin wurden über 400.000 Demonstranten gezählt.

Zu den Streiks z.B. eine Zeitleiste 1917 sowie die Zeitleiste 1918 der Friedrich-Ebert-Stiftung.

zu den Revolutionären Obleuten mehr → hier

Ein zunehmender Teil der Bevölkerung wandte sich vom bestehenden politischen System ab. Damit war der Boden bereitet für die Erhebung der Arbeiter und Soldaten im November 1918. In Darmstadt gab es keine Streiks, doch organisierte die SPD unter dem Eindruck der Januarstreiks eine Kundgebung, die sich nicht gegen die Kriegspolitik der Regierung, sondern gegen die extrem chauvinistischen Vorstellungen der „Vaterlandspartei" richtete.

Der Reichstagsabgeordnete Heinrich Müller distanziert sich zwar von den Streiks, äußert aber sein Verständnis. Zum Schluss wird in einer Entschließung die Solidarität mit den Streikenden bekräftigt mit dem Ziel eines Friedens ohne Annexionen, eine ausgiebige Versorgung mit Nahrungsmitteln und Aufhebung des Belagerungszustandes":

Impressum