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Zuerst die Revolution von oben...

Dass es mit dem Krieg nicht gutgehen konnte, war spätestens im Sommer 1918 klar. Die Streiks im Januar hatten gezeigt, dass die vielen Toten und der Hunger auch die kaisertreuesten Menschen zum Zweifeln gebracht hatten.
Sowohl die Reichsregierung als auch die des Großherzogtums Hessen nahmen Kontakt zur Mehrheits-SPD auf. diese beachtete im Gegensatz zur Unabhängigen SPD weiterhin den „Burgfrieden", ein Stillhalteabkommen für die Zeit des Krieges.
Ende September zogen die Militärführer Führer von Hindenburg und Ludendorff auch Abgeordnete der MSPD zur Reichsleitung hinzu und ließen die sogenannten „Oktoberreformen" beschließen, Feinarbeiten an der Verfassung, Berufung eines neuen Reichskanzlers Max von Baden. Die Zivilisten in der Regierung sollten sich dann gefälligst bei den Alliierten dann um einen günstigen Friedensschluss bemühen.
Für Elsaß-Lothringen besann man sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker und erwog Autonomie, gar eine Volksabstimmung.
Im Großherzog Hessen führte der Prinz zu Isenburg in seiner Privatwohnung in Darmstadt, Goethestr. 44 am 16. Oktober 1918 ein Sondierungsgespräch mit Hermann Neumann, dem Landesparteisekretär der MSPD. Es ging um eine neue Landesverfassung mit allgemeinem Wahlrecht und Umbildung der 1. Kammer unter Beibehaltung des Großherzogs. Am 31. Oktober 1918 gaben die Vertrauensleute der Sozialdemokratischen Partei Hessens eine Erklärung ab, die die Ausschaltung der Krone als gesetzgebenden Faktors, nicht aber die Abschaffung der Monarchie forderte. Der Großherzog sollte demnach Staatsoberhaupt bleiben.
Quelle: www.lagis-Hessen.de/de/subjects/browse/current/37/section/2/year/1918/sn/edb

Das Ergebnis mehrerer Entwürfe war ein Gesetz, das dann einstimmig und ohne Aussprache am 8. November vom Landtag beschlossen wurde:
ERNST LUDWIG von Gottes Gnaden, Großherzog von Hessen und bei Rhein usw verordnen hiermit wie folgt: Bis zur endgültigen Regelung der schwebenden Fragen und mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage wird zur Mitwirkung bei den Regierungsgeschäften ein Staatsrat gebildet, ...
Seine Königliche Hoheit haben zu Mitgliedern berufen ...

9. Reichstagsabgeordneter Carl Ulrich in Offenbach...


Ein SPD-Abgeordneter am unteren Ende am Tisch des Staatsrates! Carl Ulrich war zufrieden, auch wenn das Wahlrecht noch immer kein allgemeines war, denn „Das Wahlrecht für Frauen zu Gemeindevertretungen kann in Gemeinden über 10 000 Einwohner auf Beschluss der Gemeinde pp. Vertretungen eingeführt werden."
In den Wunsch des Kammerpräsidenten, „Möge unser hessisches Land davor bewahrt bleiben, daß unbesonnene Elemente den Bau gefährden oder zerstören, zu dem wir heute nach schwieriger Arbeit den Grundstein gelegt haben", stimmten die Abgeordneten mit Bravo ein.
Als das alles am 9. November in den Zeitungen stand, war die Lebenswirklichkeit in der vergangenen Nacht über diese „Revolution von oben" hinweggeschritten.

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